Bürgerverein Fasanenhof - Hier leben wir e.V.
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Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sollen im Quartier rund um den Ehrlichweg folgende Bauten mit dem nun gefassten Aufstellungsbeschluss zur Erstellung eines Bebauungsplans möglich gemacht werden: Sechs vierstöckige Punkthäuser direkt am Ehrlichweg und ein fünfstöckiges Punkthaus („der Turm“) an der Kurt-Schumacher-Straße zwischen Flüwo und SWSG. Zudem sind am Bergiusweg/Sautterweg zwei so genannte Baufenster vorgesehen. Wie viele Gebäude dann dort gebaut werden können, hängt von der Größe der Baufenster ab. Es könnte sein, dass dort statt der bisher fünf vorgesehenen nur vier Gebäude erstellt werden. Genaueres wird zu erfahren sein, wenn der Plan in seiner jetzt beschlossenen Fassung veröffentlicht ist. Mit seinem am 28. Juli gefassten Beschluss ist der zuständige Ausschuss (STA) dem Votum des Möhringer Bezirksbeirats vom 15. Juli nicht gefolgt.

Den jetzt beschlossenen Umfang der Nachverdichtung halten wir weiterhin für nicht verträglich!

Das fünfstöckige Punkthaus an der Kurt-Schumacher-Straße bezeichnen wir nicht umsonst als Turm und gerade nicht als Tor. Ein Tor würde öffnen, ein Turm schließt ab und aus. Für Letzteres steht das Punkthaus. Es wird nach Fertigstellung seine städtebaulich und sozial ausschließende Wirkung auf die drei dahinterliegenden dreistöckigen Wohngebäude voll entfalten. Er wird sie nicht nur um ganze zwei Stockwerke überragen, sondern auch vom ganzen Fasanenhof abschirmen - mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Wohn- und Aufenthaltsqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner der drei Wohngebäude. Wir haben alle Entscheidungsträger mehrfach und über verschiedene Wege darauf aufmerksam gemacht (bspw. so) und halten es für zutiefst bedauerlich, dass die Stadtverwaltung dort keine Änderung vorgenommen hat.

Das ursprüngliche Wettbewerbsergebnis sah diesen Punktbau bewusst nicht vor. Im Plan war dort noch eine besondere Grünfläche eingezeichnet. Dieses Ergebnis hatten wir seinerzeit als vertretbaren Kompromiss angesehen.

Jetzt kommt es entscheidend darauf an, dass die diskriminierende Wirkung des Punktbaus durch zu finanzierende sozial-integrative Maßnahmen vor Ort abgemildert wird. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner der drei Gebäude haben wenigstens ein Recht auf soziale Integration. Zudem besteht noch leise Hoffnung, dass ein Bebauungsplan, der dieses Punkthaus enthält, weder im Bezirksbeirat noch im STA Zustimmung finden wird. Denn endgültig beschlossen ist noch nichts!

Offen ist derzeit weiterhin, wann die im Architektenplan vorgesehene und jetzt noch dringender erforderliche Aufwertung der Aufenthaltsqualität im Quartier umgesetzt wird. Dazu sieht der Plan eigentlich einen Quartiersplatz und die bauliche Aufwertung des Straßenraums vor. Zudem enthält der Plan die Verlängerung und Aufwertung des Janus-Korczak-Wegs.

Ebenfalls weiterhin offen ist, inwiefern sich nach Abschluss der Nachverdichtung die Parksituation tatsächlich verbessert: Derzeit stehen im Quartier im Schnitt 0,39 private Parkplätze pro Wohnung zur Verfügung. Werden nach Wegfall der bisherigen Stellplätze der Baugenossenschaften die im Raum stehenden 227 Stellplätze von den Baugenossenschaften zur Verfügung gestellt und zugleich 127 neue Wohnungen erstellt, sinkt die Anzahl der privaten Stellplätze pro Wohnung allerdings auf 0,37.

Betrachtet man nun die Ausgangsplanungen der Baugenossenschaften so fand nichtsdestotrotz eine Reduzierung des Nachverdichtungsvorhabens statt. Von den ehemals angedachten elf Punktbauten am Ehrlichweg und der Kurt-Schumacher-Straße sind sechs übriggeblieben. Sicherlich darf dies als Erfolg des Engagements der Bewohnerinnen und Bewohner betrachtet werden. Das bisherige Verfahren hat damit auch gezeigt, dass gelebte Bürgerbeteiligung für Entscheidungsträger zwar auch unbequem und unerquicklich sein kann. Sich dieser zu verschließen beziehungsweise eine Bogen um die Bewohnerinnen und Bewohnern zu machen, wäre aber sicherlich für die Demokratie lebende Stadtgesellschaft Stuttgarts kontraproduktiv. Zumal auch wir mit unserem auf Gespräch, Verständigung und Interessenausgleich setzenden Kurs teils in der Kritik stehen. Was aber nichts daran ändert, dass wir froh sind, in einem Stadtteil zu leben, dessen Bewohnerinnen und Bewohner sich für diesen einsetzen.

Insgesamt machen das Verfahren, sein Ergebnis und die beginnende Planung am Logauweg deutlich, dass es dringend das schon in der Bürgerempfehlung von 2016 geforderte Gesamtkonzept für eine angemessene soziale, ökologische und städtebauliche Weiterentwicklung des Fasanenhofs braucht, an dessen Ausarbeitung alle beteiligt werden.

Wir bleiben dran!