Bürgerverein Fasanenhof - Hier leben wir e.V.
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Meine Frau fährt schon seit Jahren vor Ostern zum Fastenwandern. Bis jetzt widersetzte ich mich dem Ansinnen, an so einem Unternehmen teilzunehmen. In meinen Augen war es viel Geld für wenig Essen und eine Verschwendung an kostbaren Urlaubstagen. Wie im vorigen Jahr fiel die Reise zum Fastenwandern auch in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer und meine Frau musste es zu Hause in Angriff nehmen. Lehnte ich auch im vorigen Jahr eine Teilnahme ab, so ließ ich mich diesmal überzeugen, mit zu machen. Den Anstoß gab mir der Rettungsring, den ich mir aufgrund einer Knieverletzung zugelegt hatte. Ich erklärte meine Bereitschaft zur Teilnahme und erhielt sogleich eine Einführung in die Welt des Fastens. Es gehe um eine körperliche und seelische Reinigung und der Gewichtsverlust sei nur ein Nebeneffekt. Also fand meine Teilnahme nur aus niederen Beweggründen statt, dem Nebeneffekt. Bedenken hatte ich schon, ob ich eine Woche nur bei Brühe, Tee und Wasser durchhalten würde. Der Gang in die Küche mit Ziel Kühlschrank und Griff in das Süßigkeitsfach war ein Automatismus, der zur gedankenlosen Gewohnheit geworden war. Sicherheitshalber vertilgte ich die vorrätige Schokolade, damit der Griff ins Süßigkeitsfach ins Leere gehen würde.

Bangen Herzens sah ich dem Beginn des Fastens an meinem letzten Arbeitstag vor meinem Urlaub entgegen. Wir verabredeten die gestaffelte Einnahme des Bittersalzes in der Nacht, um uns nicht gegenseitig die Toilette zu blockieren. Ich hoffte, dass die Abführwirkung am Folgetag nicht während einer Telefon- oder Videokonferenz kommt. Es lief dann aber wie geplant ab und die erste Hürde der Fastenwoche war genommen. Jetzt gab es nur noch Wasser, Tee, Brühe und Saft. Wasser und Tee konnte bzw. sollte man reichlich rund um die Uhr trinken. Zu den Mahlzeiten wurde Biogemüse ausgekocht und eine Tasse Brühe gereicht. Zum Nachtisch gab es ein Glas Obst- bzw. Gemüsesaft frischgepresst oder gekaufter Bio-Saft. Das Essen wurde zelebriert. Mit einem Teelöffel wurde die Brühe gelöffelt und auch der Saft wurde andächtig mit einem Teelöffel zu sich genommen. Für einen Außenstehenden mag es merkwürdig sein, dies eine Mahlzeit zu nennen, und es ist eine befremdliche Esskultur. Aber diese Entschleunigung hat schon was, muss ich sagen. Und komischerweise hatte ich während der Fastenzeit keinen Hunger. Nach den Ausführungen meiner Frau hilft gegen Hungergefühl ein Einlauf, den sie prophylaktisch empfahl. Das ging mir dann doch zu weit. Ich kenne die Redewendung „Du kriegst gleich einen Einlauf“ nur in dem Zusammenhang, dass man einem nichts Gutes verheißt. Als Alternative ginge auch möglicherweise Sauerkrautsaft, ließ mich meine Frau wissen. Gut, nahm ich das. Hatte ich auch zum Abendbrot einen Gang mehr. Der Saft hatte seine Wirkung, obwohl es keine feste Nahrungszunahme gab. 

Da der Körper bei fehlender Energiezufuhr sich nach anderen Energiequellen umschaut und sich als erstes die vorhandene Muskelmasse vornimmt, muss man diesem Ansinnen einen Riegel durch Bewegung vorschieben. Dem Körper muss man signalisieren, dass die Muskeln gebraucht werden und er gefälligst an das Heiligste, an die Fettreserven gehen soll. Dazu ist ausreichend Bewegung notwendig, mindestens 2,5 Stunden flottes Gehen. Um nicht immer dieselben Touren zu machen, fuhren wir mit der U-Bahn zu verschiedensten Ausganspunkten unserer Wanderungen, z.B. nach Feuerbach zur Rundwanderung im Feuerbacher Tal Richtung Solitude, zur Weinsteige zur Wanderung nach Sillenbuch oder nach Hohenheim zur Wanderung zur Ruhbank. Für die Abende hatten wir Fernsehfasten vereinbart. Es wurde gelesen und man war auch frühzeitig müde und bettreif. Nach 5 Tage Fasten begann das Abfasten, eingeläutet mit dem Verzehr eines ganzen(!) Apfels. Das Abfasten dauert 3 Tage und das ganze Fasten wäre wesentlich einfacher, wenn man nach den 5 Tagen auf Normalbetreib umstellen könnte. So muss man aber diszipliniert weiter mit gekochten Kartoffeln, Rohkost und Müsli leben. Wir hatten frühzeitig vor Ostern mit dem Fasten gestartet, sodass am Ostermontag wenigstens ein Osterei drin war. Das Osterlamm kam diesmal ungeschoren davon. 

Was ist mein Fazit nach diesem „Selbstversuch“? Ob ich es wiederholen werde, weiß ich nicht. Ich hatte etwas mit dem Kreislauf zu kämpfen, nicht auf den Wanderungen, bei denen wir für den Notfall Honig mitführten, sondern wenn ich nachts zur Toilette musste, nicht verwunderlich bei dem vielen Trinken. Auf jeden Fall möchte ich was mitnehmen – das bewusste, langsame Essen und gesündere Ernährung. Die Sache mit dem Müsli am Morgen möchte ich vorerst ebenfalls beibehalten. Appetit auf Schokolade habe ich noch nicht, vielleicht erst gar nicht erst wieder anfangen – ein trockener „Schokoladiker“ werden. Wer weiß? Apropos körperliche und seelische Reinigung – sollte ich es doch noch einmal versuchen, dann würde ich es organisiert machen wollen.

Matthias Hotzel

Das Telefon klingelt, Frau Ludwig (Name geändert) nimmt den Hörer ab und sagt „Hallo“. Eine ihr unbekannte weibliche Stimme fragt, ob sie Frau Ludwig sei und im Kreisauerweg wohnen würde. Beides bejaht Frau Ludwig, worauf ihr die unbekannte Frau erzählt, dass in ihrer Nachbarschaft zweimal eingebrochen wurde und die dort wohnenden Menschen schlimm verprügelt worden seien. Diese lägen jetzt im Krankenhaus und sie wolle jetzt für diese Geld sammeln. Frau Ludwig soll deshalb einige Banknoten in einen Briefumschlag legen, dieser würde bald bei ihr abgeholt. Zum Glück hat Frau Ludwig den Betrugsversuch durchschaut und sofort aufgelegt.

Unser Tipp nach dieser im April 2021 tatsächlich geschehen Geschichte: Machen Sie es wie Frau Ludwig! Die Person, die anruft, appeliert an Ihr Mitgefühl, denn Nachbarn, auch wenn man sie nicht kennt, möchte man ja helfen. Bitte lassen Sie sich nicht darauf ein! Es geht hier nur darum, Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen! Bei Ihren Nachbarn wird kein Cent davon ankommen!

Ingrid Hägele

Liebe Fasanenhofer,

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